RÜCKERT ARCHITEKTEN

Anerkennung für das Rückert-Haus


Rheinische Post

Das von Bürgern abfällig als „Kartoffelkiste“ titulierte Gebäude überzeugte Experten-Jury.

Witzhelden – Nein, von Genugtuung möchte Ulof Rückert nicht sprechen. Wohl aber von Freude. „Ja, ich habe mich gefreut, dass neutrale Architekten unser Haus begutachtet haben und auch zu dem Urteil gekommen sind, dass es eine gelungene Sache ist“, erzählt der Witzheldener Architekt. Seit rund einer Woche weiß er, dass die Erweiterung seines denkmalgeschützten Fachwerkhauses in der Ortsmitte des Höhendorfes (Burscheider Straße nahe Marktplatz) eine Anerkennung beim Wettbewerb „Auszeichnung guter Bauten“ erhalten hat, den der Bund Deutscher Architekten zum dritten Mal veranstaltet hat. Das Pikante an der Angelegenheit: Rückerts holzverkleideter Anbau an das historische Gebäude hatte in Witzhelden nach seiner Fertigstellung teilweise heftige Reaktionen hervorgerufen. Die Ablehnung mancher Bürger gipfelte in der wenig schmeichelhaften Titulierung „Kartoffelkiste“. Selbst in politischen Gremien hatte das Haus für Diskussionen und Beschwerden gesorgt. Tenor: Eine derart moderne Gestaltung passe nicht zum denkmalgeschützten Gebäuden.

Ungeachtet dessen hatte etwa Dr. Andreas Stürmer vom rheinischen Amt für Denkmalpflege bereits vor anderthalb Jahren als Gast im Leichlinger Bauausschuss darauf hingewiesen, dass Anbauten an denkmalgeschützten Häusern nicht die Konstruktion der Vergangenheit nachahmen müssten. Es gehe nicht darum, heute so zu bauen, wie im 19. Jahrhundert oder womöglich sogar schöner. Dies sei nicht als Denkmalpflege zu verstehen, sondern würde die Authentizität eher verfälschen.

Die Jury beim BDA-Wettbewerb mit unabhängigen Architekten aus Düsseldorf, Wuppertal und Dortmund, einem Fachjournalisten aus Wuppertal sowie Hartmut Hoferichter (Beigeordneter der Stadt Solingen) und Lena Zlonicky (Stadtplanung Leverkusen) beurteilte die Rückert-Konstruktion als „überzeugende Lösung für die Problematik ´Bauen im historischen Ortskern´“. Der Neubau sei behutsam in die von Altbauten geprägte Umgebung eingebettet, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung. Und weiter: „Die Jury lobt dabei ausdrücklich den Mut des Architekten, auf eine Anbiederung an den Bestand zu verzichten.“ Statt einer historisierenden Architektur sei ein zeitgemäßer Neubau entstanden, „der das Thema ´Fachwerk´ auf eigenwillige Weise in moderne Bauformen übersetzt“.

Architekt Ulof Rückert und die weiteren Preisträger des BDA-Wettbewerbs werden morgen, 7. Mai, um 19 Uhr in der Stadtsparkasse Solingen (Kölner Straße) geehrt. (Stefan Schneider)

Ulof Rückert