RÜCKERT ARCHITEKTEN

Würfel schmiegt sich an Fachwerk an

18.04.2002 - Kölner Stadt Anzeiger
Anbau an denkmalgeschütztes Haus wird von Witzheldenern bestaunt
Statt Fachwerk nachzuahmen, erweitert der Witzheldener Architekt Ulof Rückert sein Denkmal um einen markanten Kubus.

Leichlingen – Der Würfel aus nacktem Stein, zwei Stockwerke hoch, scharfkantig und mit schmalen Fenster-Schlitzen wie Schießscharten, steht am Ortseingang neben der Burscheider Straße und macht einen ziemlich wehrhaften Eindruck. „Der Rohbau sieht noch gewalttätig aus“, gibt Bauherr Ulof Rückert zu. Und deswegen wundert er sich selbst etwas darüber, dass im heimatbewussten Witzhelden noch niemand Anstoß an seinem modernen Kubus genommen hat: „Ich bin auch überrascht, dass es so wenig Reaktionen gibt“, gesteht er.

Denn im romantischen Fachwerk-Dorfkern stellt sein avantgardistischer Anbau, der einen baufälligen Holzschuppen ersetzt hat, einen absoluten Fremdkörper dar. Dennoch verfolgen die sonst überall präsenten kritischen Zaungäste die Entstehung des neuen Gebäudes offenbar eher mit faszinierter Neugierde. Ende Mai, wenn das Werk fertig sein soll, wird die Fassade jedenfalls gefälliger aussehen, stilistisch immer noch moderner als die geballte Ladung Schiefer und Fachwerk ringsum, aber wärmer und natürlicher, weil mit Holz verkleidet. Der kleine Verbindungsflur zwischen Alt- und Neubau bekommt hellgrau gestrichene Schichtholz-Platten und schmale Fensteröffnungen mit Loch-Raster. Die Mauern des neuen Schlafzimmers verschwinden hinter naturbelassenen schmalen Holz-Lamellen aus sibirischer Lärche, die gräulich verwittern werden. Darunter ist auch noch eine Lücke für einen PKW-Unterstand. Bau- und denkmalrechtlich gibt es an dem 4,5-Meter-Kubus nichts auszusetzen. Das Rheinische Amt für Denkmalpflege war vom Entwurf des Witzheldener Architekten spontan überzeugt. Alle Versuche, das Fachwerk-Idyll des rund 350 Jahre alten Denkmals (in dem Rückert mit Frau und Baby wohnt und mit drei Kollegen arbeitet) durch neues Balkenwerk nachzuahmen, hätte Andreas Stürmer, der für Leichlingen zuständige Referent des Landeskonservators, auch abgelehnt. Stattdessen hat sich in der Denkmalpflege die Philosophie durchgesetzt, die Grenze zwischen den Bau-Epochen nicht zu verwischen, sondern absichtlich zu betonen. Altes und Neues durch eine klar abgesetzte Formensprache und miteinander harmonierende, aber erkennbar unterschiedliche Materialien voneinander abzusetzen. In dieser Auffassung trafen sich die Interessen von Denkmalamt, und Bauherr und deswegengab es mit der Baugenehmigung auch keine großen Probleme. Ulof Rückert ist darüber nicht nur als Architekt, sondern auch als Familienvater froh. Denn in dem zur Straße hin fensterlosen Kubus werde seine einzigen vernünftig schallgeschützten Räume sein. So sehr auch er Witzhelden liebe, „der Verkehr und der Lärm im Ortskern können einem manchmal ziemlich auf den Keks gehen, wenn man hier mitten drin wohnt“, klagt er über den Krach von der Landstraßenkreuzung. (Hans-Günter-Borowski)

 

Leserbriefe

Bunker“ verunstaltet historischen Dorfkern

Zum Artikel „Würfel schmiegt sich an Fachwerk“

Soll dieser Artikel ironisch oder etwa ernst gemeint sein?
Dieser „Bunker“ verunstaltet den historischen Dorfkern von Witzhelden derart, dass es einem die Sprache verschlägt. Deswegen gibt es offensichtlich so wenig Reaktionen gegen diesen Bau. Und wenn, was hätte es für Auswirkungen? Wohl keine. Man könnte vermuten, dass das Ingenieur-Büro besonders gute Freunde beim Amt für Denkmalpflege und beim Bauamt hat, um eine Genehmigung für solch einen Klotz zu erhalten.
Außerdem, wie wäre es, wenn die Mauern mit teurer sibirischer Lärche verkleidet werden, dies mit Fichte vom Schneeberg zu tun? Hier hat man nämlich in einer Nacht- und Nebelaktion 20 Jahre alte Fichten so zugerichtet, als wäre ein Wirbelsturm dadurch gejagt. Zu allem Überfluss wurden die abgesägten Stammteile und Äste einfach dahinter angehäuft.

Gabriele Syring-Alfter
Am Schneeberg
Leichlingen

 

Erschlagen vom Zwei-Stockwerke-Kubus

Zum Bericht „Würfel schmiegt sich an Fachwerk“

Leider sind hier nun auch schon wieder – wie an anderen Stelen im Stadtgebiet – die Würfel gefallen. Das Fachwerk-Ensemble im Dorfeingangsbereich Witzheldens, von Burscheid aus kommend, wird durch den markanten Zwei-Stockwerke-Kubus erschlagen. Nichts schmiegt sich da an! Verstellt und verschandelt wird durch diese Art der Architektur ein gewachsenes historisches Ortsbild. Von einem Architekten, der sein eigenes Wohnhaus so mustergültig im Ortskern saniert und renoviert hat, war eine solche „Entgleisung“ nicht zu erwarten. Wie konnte es nur gelingen, für eine solche Baumaßnahme im Umfeld historischer Gebäude die Zustimmung des hierfür zuständigen Referenten des Landeskonservators zu erhalten?
Wann endlich werden die Bürger und Bürgerinnen frühzeitig stärker in die Verfahren von Bauvorhaben in sensiblen Wohnquartieren einbezogen?

Gans Karl Rodenkirchen
Wipperkotten
Solingen
Joachim Albrecht
Landrat-Trimborn-Straße
Leichlingen

 

18.04.2002 - KStA